Am vergangenen Wochenende machte sich die Junge Union (JU) Kreisverband Lingen bei einer Ortsbegehung selbst ein Bild von der aktuellen Situation des Bahnsteiges 2 vom Lingener Bahnhof. Dabei wurden viele Mängel deutlich, die schnellstens behoben werden sollten.

Die große öffentliche Kritik und Medienpräsenz über den neuen Bahnsteig 2 am Lingener Bahnhof veranlasste die jungen Christdemokraten im Altkreis Lingen sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Dabei begutachteten die JU’ler den schmalen Bahnsteig, die dahinter befindliche Drainage und versuchten, ob man unter der angegebenen Rufnummer, die versprochene Hilfe eines Bahnmitarbeiters bekommt.
Letzteres testeten sie als Erstes. Am Telefon führte der JU-Kreisvorsitzende Philipp Heinrichs ein Gespräch mit einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Er erläuterte den Jungunionisten das Verfahren, wenn es Anrufe gibt. Auf dem Gelände befindet sich ein Mitarbeiter, der von montags bis sonntags zur Hilfe gerufen werden kann. Der Mitarbeiter der DB in Osnabrück würde ihn in Lingen verständigen und die versprochene Hilfe würde somit kommen.
Während der Ortsbegehung sind die JU‘ler auf den Mitarbeiter gestoßen, der Betroffenen bei der Überwindung der Treppe helfen soll. Der Mitarbeiter kommt von einem privaten Unternehmen, was u.a. für den Bau des Bahnsteiges 2 zuständig ist. In einem Gespräch verdeutlichte er die Probleme, die es seit der großen öffentlichen Kritik gibt, die nach seiner Aussage an die falschen Personen gerichtet ist. Es wurde seiner Meinung nach schlecht recherchiert, eine Anfrage seitens der Presse zur Besichtigung der Lage gab es nicht.
Der Mitarbeiter erläuterte, dass der Bahnsteig 2,60m breit ist und man ihn nicht weiter verbreiten kann. Hinter dem Bahnsteig befindet sich eine Drainage und die DB Cargo möchte auch noch eine Prüfstelle errichten. Besser wäre es, man würde das DB Cargo Prüfgleis entweder an einen anderen Standort verlagern oder den Bahnhof um eine Rampe erweitern. Das macht nach seiner Ansicht viel mehr Sinn. Es gäbe daneben noch die Möglichkeit über der Drainage den Bahnsteig noch auszubauen. „Wenn der Steg weiter so schmal bleibt, dann dauert es vielleicht maximal sechs Monate, bis wir den ersten Toten zu beklagen haben, dann muss die Bahn reagieren. Die Zugführer beklagen sich jetzt schon und haben Angst bei der Einfahrt in den Bahnhof.“
Geschockt von der Aussage, erkundigten sich die JU’ler, warum man nicht früher auf diese Problematik mit dem nicht barrierefreien Zugang hingewiesen hat. Darauf antwortete der Mitarbeiter: „Eigentlich stehen die Pläne seit dem Bau der Unterführung fest, jedoch war das Zeitmanagement nicht optimal, sodass wir nun auch das Problem mit dem barrierefreien Zugang haben!“
Überrascht waren die JU’ler von der Aussage, dass er maximal ein bis zweimal am Tag zur Hilfe gerufen wird. „Für diese Hilfe zahlt die DB 20.000€, die an anderer Stelle deutlich besser investiert werden würde!“ Nach dem Gespräch mit dem Mitarbeiter fielen den JU’lern weitere Mängel auf. Da wäre zurzeit die Unterführung selbst. Wenn die Menschenmassen aus dem Zug durch die Unterführung laufen, besteht die Gefahr, dass man mit links und rechts kommenden Fahrradfahrern zusammenprallt. Ein weiteres Problem ist auch noch der fehlende Ticketautomat beim Gleis 2, der die Situation noch unübersichtlicher macht. Desweiteren fiel die viel zu geringe Bedachung des Bahnsteiges ins Auge.
Durch das Gespräch mit dem Mitarbeiter wurde den JU’lern deutlich, dass die Situation bei den ausführenden Firmen sehr angespannt ist. „Bei diesem Besuch haben wir viele Erkenntnisse gewonnen, die der Öffentlichkeit noch gar nicht bekannt sind“, so Heinrichs abschließend. Dem stimmt das CDU-Stadtratsmitglied Björn Roth zu und will diese Informationen mit in die Diskussionen in die städtischen Gremien nehmen. "Die Schuld auf die Stadt und das Baudezernat zu schieben, ist sicherlich falsch, weil in erster Linie die Deutsche Bahn als Bauherrin verantwortlich ist. Aber dennoch müssen alle Beteiligten an den Tisch, um das Thema zu diskutieren und mögliche Nachbesserungen abzusprechen." Der Planungs- und Bauausschuss wird übrigens am Mittwoch, den 28.10.2009, das Problem behandeln und nach einer Ortsbegehung dort erörtern.
Foto: Die Jungunionisten machen sich ein Bild von der Drainage hinter dem Bahnsteig 2. Deutlichen Handlungsbedarf sehen die Mitglieder der Jungen Union (JU) Kreisverband Lingen am Bahnsteig 2 des Lingener Bahnhofes.